Eine Kieferzyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Höhle im Kieferknochen, meist gutartig, aber potenziell zerstörerisch, wenn sie unbehandelt bleibt. Ursachen sind Zahninfektionen, impaktierte Zähne, Entwicklungsstörungen und genetische Faktoren. Symptome reichen von Schwellungen, Schmerzen und Zahnverschiebungen bis hin zu Nervenkompression, obwohl viele Zysten symptomlos sind und nur im Röntgen entdeckt werden. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Panoramaröntgen, DVT/CBCT, MRT und Biopsie. Behandlungsmöglichkeiten sind Enukleation, Marsupialisation, Antibiotika bei Infektionen und Knochenaufbau bei Bedarf. Unbehandelt kann es zu Komplikationen wie Knochenschwund, Frakturen, Infektionen, Rezidiven oder selten bösartigen Entartungen kommen. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch einen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, oft interdisziplinär unterstützt.
Was ist eine Kieferzyste?
Eine Kieferzyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Höhle oder ein Hohlraum, der sich im Kieferknochen oder im umliegenden Weichgewebe entwickelt. Die meisten Kieferzysten sind benigne (nicht krebsartig), können aber unbehandelt erhebliche Probleme verursachen, wie Knochendestruktion, Zahnverschiebungen, Schwellungen und Gesichtsasymmetrien. Sie können aus zahnbezogenen Geweben (odontogene Zysten) oder aus nicht-zahnbezogenen Strukturen (nicht-odontogene Zysten) entstehen.
Arten von Kieferzysten
Kieferzysten werden grob in odontogene Zysten (aus Zahnentwicklungsgeweben) und nicht-odontogene Zysten unterteilt. Zu den häufigsten klinischen Befunden zählen dentigene Zysten und keratozystische odontogene Tumoren (KCOT).
Liste: Arten von Kieferzysten
- Odontogene Zysten
- Nicht-odontogene Zysten
- Dentigene Zyste
- Keratozystischer odontogener Tumor (KCOT)
- Radikuläre Zyste
- Residualzyste
- Laterale parodontale Zyste
- Gingivazyste
- Nasopalatinale Gangzyste
- Globulomaxilläre Zyste
- Traumatische Knochenzyste
- Aneurysmatische Knochenzyste
Symptome einer Kieferzyste
Während einige Zysten zufällig bei Routine-Röntgenaufnahmen entdeckt werden, zeigen andere deutliche Symptome:
- Schwellung im Kiefer oder Gesicht
- Schmerzen oder Beschwerden im betroffenen Bereich
- Zahnverschiebungen oder Zahnlockerung
- Verzögerter Zahndurchbruch
- Kiefersteifigkeit oder eingeschränkte Beweglichkeit
- Sichtbare oder tastbare Geschwulst im Mund
- In schweren Fällen: Infektionen, Eiteraustritt oder Gesichtsasymmetrien
📌 Kieferzysten können lange symptomlos bleiben, daher sind regelmäßige Zahnarztkontrollen entscheidend.
Ursachen einer Kieferzyste
Kieferzysten entstehen durch verschiedene Faktoren im Zusammenhang mit Zahngesundheit, Entwicklungsstörungen oder systemischen Erkrankungen. Die häufigste Ursache ist eine Infektion oder Entzündung an der Zahnwurzel, meist nach unbehandelter Karies oder Pulpanekrose. Retinierte oder impaktierte Zähne sind ebenfalls häufige Auslöser. Genetische und entwicklungsbedingte Faktoren wie abnormales Gewebewachstum können odontogene oder nicht-odontogene Zysten verursachen. Auch Traumata, chronische Parodontitis und bestimmte Syndrome (z. B. Gorlin-Goltz-Syndrom) sind Risikofaktoren. Obwohl die meisten Zysten gutartig sind, kann Untätigkeit zu fortschreitender Knochendestruktion führen.
Liste: Ursachen von Kieferzysten
- Unbehandelte Karies
- Zahnpulpa-Infektion
- Chronische Parodontitis
- Impaktierte Zähne (besonders Weisheitszähne)
- Entwicklungsstörungen
- Genetische Syndrome (z. B. Gorlin-Goltz)
- Kiefertrauma
- Vorherige Zahnoperationen oder Extraktionsstellen
- Residualzysten
- Chronische Entzündungen im Mundbereich
- Anormales Gewebewachstum während der Zahnentwicklung
Wie wird eine Kieferzyste Diagnostiziert?
Die Diagnose beginnt mit einer klinischen Untersuchung zur Beurteilung von Schwellungen, Asymmetrien und Mundgesundheit. Da viele Zysten im Frühstadium symptomlos sind, ist bildgebende Diagnostik unverzichtbar. Ein Panoramaröntgen (OPG) zeigt Zystenläsionen, während DVT/CBCT oder MRT detaillierte Informationen über Größe, Lage und Beziehungen zu Zähnen, Nerven und Nebenhöhlen liefern. In manchen Fällen wird eine Biopsie durchgeführt, um Tumoren auszuschließen und die Diagnose histologisch zu bestätigen. Blutuntersuchungen oder weitere Bildgebung können bei Verdacht auf systemische Ursachen erforderlich sein.
Liste: Diagnosemethoden
- Klinische Untersuchung
- Patientenanamnese und Symptomabklärung
- Panoramaröntgen (OPG)
- DVT/CBCT
- MRT
- Biopsie und histopathologische Analyse
- Bluttests (bei Verdacht auf systemische Beteiligung)
- Konsultation MKG-Chirurgie
Behandlungsmöglichkeiten einer Kieferzyste
Die Behandlung hängt von Typ, Größe, Lage und Gesundheitszustand des Patienten ab. Kleine, asymptomatische Zysten können überwacht werden, aber die meisten erfordern eine chirurgische Entfernung. Am häufigsten ist die Enukleation (vollständige Entfernung). Bei großen Zysten kann zunächst eine Marsupialisation erfolgen. Aggressive oder rezidivierende Zysten wie KCOT benötigen zusätzliche chirurgische Verfahren und engmaschige Nachsorge. Infizierte Zysten können vor der definitiven Behandlung eine Antibiotikatherapie oder Drainage erfordern. Moderne Ansätze kombinieren Chirurgie mit knochenaufbauenden Maßnahmen wie Knochenaugmentation oder gesteuerter Geweberegeneration.
Liste: Behandlungsmethoden
- Beobachtung und Verlaufskontrolle
- Enukleation (vollständige chirurgische Entfernung)
- Marsupialisation (Dekompression der Zyste)
- Kombinationstherapie (Marsupialisation + Enukleation)
- Kürettage der Zystenhöhle
- Knochenaufbau nach Zystenentfernung
- Gesteuerte Geweberegeneration
- Antibiotikatherapie (bei infizierten Zysten)
- Endodontische Behandlung (bei zahnassoziierten Zysten)
- Resektion (bei aggressiven oder rezidivierenden Zysten)
Mögliche Komplikationen unbehandelter Kieferzysten
Unbehandelt können Zysten weiterwachsen und schwerwiegende Folgen haben: Knochenverdünnung und Frakturen, Zahnverschiebung oder -verlust, Abszesse und Infektionen. Manche, wie KCOT, neigen zu Rezidiven und aggressivem Verhalten. In seltenen Fällen kann eine maligne Transformation auftreten. Verzögerte Behandlung erschwert die chirurgische Entfernung und erhöht das Risiko dauerhafter Nervenschäden.
Welcher Spezialist behandelt Kieferzysten?
Kieferzysten werden in erster Linie von einem Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen behandelt. Je nach Ursache können auch Zahnärzte, Endodontologen, Parodontologen oder HNO-Ärzte beteiligt sein. Komplexe oder rezidivierende Fälle sollten in spezialisierten Zentren mit Erfahrung in fortgeschrittener Chirurgie behandelt werden.
❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Kieferzysten
1. Ist eine Kieferzyste bösartig?
Die meisten sind gutartig, können aber aggressiv wachsen und selten entarten.
2. Kann eine Kieferzyste nach der OP wiederkommen?
Ja, insbesondere KCOT haben eine hohe Rezidivrate, wenn sie nicht vollständig entfernt werden.
3. Muss jede Kieferzyste operiert werden?
Nicht immer. Kleine, symptomlose Zysten können beobachtet werden, die meisten benötigen jedoch eine Entfernung.
4. Kann eine Zyste Taubheitsgefühle verursachen?
Ja, durch Nervenkompression kann es zu Kribbeln, Taubheit oder Sensibilitätsverlust in Lippen, Wangen oder Kinn kommen.
5. Sind Kieferzysten schmerzhaft?
Viele sind im Frühstadium schmerzlos und werden zufällig entdeckt. Schmerzen treten meist bei Infektionen oder Druck auf.
6. Wie lange dauert die Heilung nach einer Operation?
In der Regel 2–4 Wochen, größere Zysten oder komplexe OPs können länger dauern.
7. Können Kinder Kieferzysten entwickeln?
Ja, insbesondere dentigene Zysten bei nicht durchgebrochenen Zähnen.


