Mandibuläre Retrognathie: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmethoden

September 22, 2025by HGH0

Die mandibuläre Retrognathie, also die Rückverlagerung des Unterkiefers im Verhältnis zum Oberkiefer, ist eine skelettale Anomalie. Häufige Ursachen sind genetische Faktoren, kindliche Gewohnheiten, Zahn- und Kieferanomalien sowie Atemprobleme. Zu den Symptomen gehören ästhetische Disharmonie, Kau- und Sprachprobleme, Schlafapnoe und Fehlbiss. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Röntgenaufnahmen und kephalometrische Analysen. Die Behandlung variiert je nach Alter: Bei Kindern kommen funktionelle Apparaturen und Kieferorthopädie zum Einsatz, bei Erwachsenen orthognathe Chirurgie und kombinierte Therapien. Eine frühzeitige Diagnose und Intervention führen zu den besten funktionellen und ästhetischen Ergebnissen.

Was ist eine Mandibuläre Retrognathie?

Die mandibuläre Retrognathie bezeichnet eine Lageanomalie, bei der der Unterkiefer im Vergleich zum Oberkiefer zurückliegt. Dies kann angeboren (skelettal) sein oder durch Wachstumsstörungen und ungünstige Gewohnheiten im Kindesalter entstehen. Sie ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern auch eine orthodontische und chirurgische Herausforderung, die Kau-, Sprech- und Atemfunktionen sowie die Okklusion (Biss) beeinträchtigt.

Welche Symptome treten bei einer Mandibulären Retrognathie auf?

Die Retrognathie zeigt sowohl funktionelle als auch ästhetische Symptome. Häufige Anzeichen sind:

  • Der Unterkiefer erscheint zurückversetzt im Vergleich zum Oberkiefer
  • Kleines oder zurückliegendes Kinn im Profil
  • Unvollständiger Lippenschluss
  • Kau- und Beißschwierigkeiten
  • Sprachstörungen (z. B. Lispeln)
  • Atemnot oder Schnarchen im Schlaf
  • Zahnfehlstellungen oder Engstand
  • Unausgeglichenes Gesichtsprofil

📌 Wird die Störung im Kindesalter erkannt, ist die Behandlung deutlich einfacher und schneller.

Ursachen der Mandibulären Retrognathie

Die Retrognathie entsteht durch eine Kombination genetischer und umweltbedingter Faktoren. Eine der häufigsten Ursachen ist die genetische Veranlagung; liegt sie in der Familie vor, steigt das Risiko für Kinder erheblich. Zudem wirken sich kindliche Gewohnheiten wie längerer Schnullergebrauch, Daumenlutschen oder Nägelkauen negativ auf das Kieferwachstum aus. Frühzeitiger Milchzahnverlust, Malokklusion und Zahnfehlstellungen können die normale Entwicklung ebenfalls hemmen. Auch Mundatmung durch vergrößerte Adenoide, Tonsillenhypertrophie oder chronische Nasenverstopfung begünstigen die Rückverlagerung des Unterkiefers. In seltenen Fällen sind Kieferfrakturen, Traumata oder bestimmte Syndrome die Ursache.

Liste: Ursachen der Mandibulären Retrognathie

  • Genetische Faktoren
  • Daumenlutschen
  • Längerer Schnullergebrauch
  • Nägelkauen
  • Frühzeitiger Verlust der Milchzähne
  • Malokklusion (Bissstörungen)
  • Zahnfehlstellungen
  • Vergrößerte Adenoide (Polypen)
  • Tonsillenhypertrophie
  • Chronische Nasenverstopfung
  • Mundatmung
  • Kiefertraumata oder Frakturen
  • Entwicklungsanomalien
  • Bestimmte Syndrome (z. B. Pierre-Robin-Sequenz)

Wie wird eine Mandibuläre Retrognathie Diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren. Zunächst beurteilt der Facharzt das Gesichtsprofil und die Kieferrelation. Die Stellung des Unterkiefers zum Oberkiefer, der Biss und das ästhetische Erscheinungsbild werden sorgfältig analysiert. Anschließend liefern Panoramaröntgen und kephalometrische Aufnahmen präzise Informationen über Winkel und skelettale Beziehungen. Falls erforderlich, ermöglicht eine 3D-Tomographie (CBCT) eine detaillierte Analyse. Bei Kindern und Jugendlichen wird zusätzlich eine Wachstumsanalyse durchgeführt. Kieferorthopäden und Kieferchirurgen arbeiten gemeinsam an der Behandlungsplanung.

Liste: Diagnostische Methoden

  • Klinische Untersuchung
  • Gesichtsprofil-Analyse
  • Okklusionsbewertung (Bissanalyse)
  • Panoramaröntgen
  • Kephalometrische Aufnahme
  • 3D-Dentaltomographie (CBCT)
  • Wachstums- und Entwicklungsanalyse
  • Kieferorthopädische und chirurgische Konsultation

Behandlungsmethoden der Mandibulären Retrognathie

Die Behandlung hängt vom Alter, dem Schweregrad und den Begleitproblemen ab. Bei Kindern und Jugendlichen, deren Wachstum noch andauert, führen kieferorthopädische Behandlungen und funktionelle Apparaturen oft zu guten Ergebnissen. Diese Geräte lenken das Wachstum und fördern die Vorverlagerung des Unterkiefers. Bei Erwachsenen, deren Kieferwachstum abgeschlossen ist, reicht Orthodontie allein nicht aus; in diesen Fällen ist eine orthognathe Chirurgie erforderlich, um die Kieferrelation und die Ästhetik wiederherzustellen. Bei begleitenden Zahnfehlstellungen wird eine Kombination aus Kieferorthopädie und Chirurgie empfohlen. In leichten Fällen können Kinnaufbau durch Filler oder Prothesen als ästhetische Lösungen eingesetzt werden.

Liste: Behandlungsmöglichkeiten

  • Kieferorthopädische Behandlung (feste Zahnspangen, Aligner)
  • Funktionelle Apparaturen
  • Orthognathe Chirurgie
  • Kombination Orthodontie + Chirurgie
  • Kinnaufbau mit Fillern (ästhetisch)
  • Kinnprothese (implantatgestützt)

Was passiert, wenn die Retrognathie unbehandelt bleibt?

Unbehandelt kann die Retrognathie erhebliche funktionelle und ästhetische Probleme verursachen. Eine beeinträchtigte Kaubewegung kann Verdauungsprobleme hervorrufen, während Malokklusion zu übermäßigem Zahnverschleiß, Karies und Zahnfleischerkrankungen führt. Langfristig können Kiefergelenksstörungen (TMJ), Kieferschmerzen und Kopf-Nacken-Schmerzen auftreten. Atemprobleme, Schlafapnoe und Schnarchen sind ebenfalls häufig. Bei Kindern kann eine unbehandelte Retrognathie das Gesichts- und Kieferwachstum negativ beeinflussen und zu bleibenden skelettalen Deformitäten führen.

❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Mandibulären Retrognathie

1. Ist eine Retrognathie genetisch bedingt?

Ja, in vielen Fällen spielt genetische Veranlagung eine große Rolle. Familien mit Kieferanomalien haben ein höheres Risiko.

2. Beeinflusst Retrognathie die Sprache?

Ja. Ein zurückliegender Unterkiefer kann bestimmte Laute beeinträchtigen und Lispeln verursachen.

3. Kann Retrognathie Schlafapnoe verursachen?

Ja. Ein zurückliegender Kiefer verengt die Atemwege und führt zu Schnarchen und Schlafapnoe.

4. Ist eine Operation immer notwendig?

Nein. Bei Kindern und Jugendlichen können funktionelle Apparaturen ausreichen. Bei Erwachsenen ist orthognathe Chirurgie die einzige dauerhafte Lösung für schwere Fälle.

5. Kann Retrognathie mit Make-up oder Fillern kaschiert werden?

In milden Fällen können Filler oder Make-up das Erscheinungsbild verbessern, lösen jedoch das funktionelle Problem nicht.

6. Beeinträchtigt Retrognathie die Halsästhetik?

Ja. Ein zurückliegender Kiefer betont die Halspartie und kann ein Doppelkinn verstärken.

7. Welches ist das beste Alter für die Behandlung?

Kindheit und Jugend, während das Wachstum noch andauert, sind die effektivsten Zeiträume für eine erfolgreiche Behandlung.

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